Zum Inhalt springen

Muskowski Beiträge

Lesewoche 5

In der aktuellen Woche ist das Lesen bei mir etwas dürftig. Seit ein paar Tagen fühle ich mich bereits niedergeschlagen und nun kamen heute Kopfschmerzen dazu. Ich hoffe, ich werde nicht krank.

Einen Kommentar hinterlassen

Die langen Listen der lesenswerten Büchern

2004 war ein schwammiges Jahr. Wie auch schon 2003 und so wie 2005 werden sollte. Dabei kann ich mich an einige Dinge noch erinnern. Ich fing meine Ausbildung an, Fußball-EM in Portugal (Die ich aber kaum verfolgte), langsam schwappte die Pokerwelle nach Deutschland. Aber es ist alles so konturlos im Nachhinein.

Es war keine große Sache, aber ich fing in dem Jahr an, die Bände der SZ-Bibliothek zu sammeln. Ich hatte die Zeitung nicht abonniert und kaufte manchmal in der Buchhandlung vier Nummern auf einmal. Irgendwann hatte ich dann die SZ-Bibliothek vollständig von 1. Milan Kundera – Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins bis 100. Mario Vargas Llosa – Lob der Stiefmutter – und das obwohl ich einige Titel bereits in den Verlagsausgaben hatte. Auch wenn ich es spießig finde, im Herzensgrund bin ich Sammler. Es war ein guter Preis pro Band, 4,90 oder 4,99 zumindest unter 5 € und einige Bücher wollte ich haben, also musste ich alle kaufen. Unvollständig hätte es mir nicht gefallen. Im Herbst desselben Jahres lief dann im ZDF die Sendung Das große Lesen (oder ein ähnlicher Titel, ich werde es prüfen), darin stellte man die 100 liebsten Bücher der Deutschen vor. Ich war begeistert. Nicht von jedem einzelnen Buch auf der Liste, aber von der Gesamtheit. Etwas, was ich immer wieder gemerkt habe: Ich liebe Listen von Büchern, es macht mir Spaß, sie zu durchforsten und nach neuer Lektüre zu suchen. Ich weiß nicht, ob es anderen ähnlich geht. Zumindest versuche ich mal in diesem Blog Bücherlisten zu sammeln. Die SZ-Bibliothek habe ich bereits fertig. Weitere werden folgen.

Nr.
Autor/Autorin
Titel
1Kundera, MilanDie unerträgliche Leichtigkeit des Seins
2Eco, UmbertoDer Name der Rose
3Grass, GünterKatz und Maus
4Fitzgerald, Francis ScottDer große Gatsby
5Bernhard, ThomasDer Untergeher
6Auster, PaulStadt aus Glas
7Canetti, EliasDie Stimmen von Marrakesch
8Forster, Edward M.Wiedersehen in Howards End
9Walser, MartinEhen in Philippsburg
10Irving, JohnDas Hotel New Hampshire
11Onetti, Juan CarlosDas kurze Leben
12Schnitzler, ArthurTraumnovelle
13Handke, PeterDie Angst des Tormanns beim Elfmeter
14Joyce, JamesEin Porträt des Künstlers als junger Mann
15Yourcenar, MargueriteDer Fangschuss
16Highsmith, PatriciaDer talentierte Mr Ripley
17Semprún, JorgeWas für ein schöner Sonntag!
18Johnson, UweMutmaßungen über Jakob
19Mulisch, HarryDas Attentat
20Conrad, JosephHerz der Finsternis
21Cortázar, JulioDer Verfolger
22Simon, ClaudeDie Akazie
23Ondaatje, MichaelDer englische Patient
24Simenon, GeorgesDer Mann, der den Zügen nachsah
25Faulkner, WilliamDie Freistatt
26Rilke, Rainer MariaDie Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge
27Koeppen, WolfgangDas Treibhaus
28Lenz, SiegfriedDeutschstunde
29Greene, GrahamDer dritte Mann
30von Keyserling, EduardWellen
31McEwan, IanDer Zementgarten
32Frisch, MaxMein Name sei Gantenbein
33Nooteboom, CeesAllerseelen
34Maugham, William SomersetDer Magier
35McCullers, CarsonDas Herz ist ein einsamer Jäger
36Kafka, FranzAmerika
37Chatwin, BruceTraumpfade
38Strauß, BothoPaare, Passanten
39Proust, MarcelEine Liebe Swanns
40Steinbeck, JohnTortilla Flat
41Szczypiorski, AndrzejDie schöne Frau Seidenman
42Dürrenmatt, FriedrichDer Richter und sein Henker
43Green, JulienLeviathan
44Wilde, OscarDas Bildnis des orian Gray
45Becker, JurekBronsteins Kinder
46Hesse, HermannUnterm Rad
47Høeg, PeterFräulein Smillas Gespür für Schnee
48Levi, PrimoDas periodische System
49Duras, MargueriteDer Liebhaber
50Calvino, ItaloWenn ein Reisender in einer Winternacht
51Capote, TrumanFrühstück bei Tiffany
52Pamuk, OrhanRot ist mein Name
53de Moor, MargrietDer Virtuose
54Woolf, VirginiaMrs Dalloway
55Schulze, Ingo33 Augenblicke des Glücks
56Begley, LouisLügen in Zeiten des Krieges
57Zweig, StefanMaria Stuart
58Widmer, UrsDer Geliebte der Mutter
59Wolf, ChristaKassandra
60Gordimer, NadineNiemand, der mit mir geht
61Levi, CarloChristus kam nur bis Eboli
62Kronauer, BrigitteBerittener Bogenschütze
63Stasiuk, AndrzejDie Welt hinter Dukla
64Tucholsky, KurtSchloss Gripsholm. Eine Sommergeschichte
65Colette, Sidonie GabrielleMitsou
66Farah, NuruddinMaps
67Aiken, JoanDu bist ich. Die Geschichte einer Täuschung
68Gustafsson, LarsDer Tod eines Bienenzüchters
69Andric, IvoDie Brücke über die Drina
70Lange, HartmutDas Konzert
71Oz, AmosEin anderer Ort
72Aichinger, IlseDie größere Hoffnung
73Heller, JosephCatch 22
74Seghers, AnnaTransit Per
75Enquist, OlovDas Buch von Blanche und Marie
76Hrabal, BohumilIch dachte an die goldenen Zeiten
77Burgess, AnthonyDie Uhrwerk-Orange
78Kross, JaanDer Verrückte des Zaren
79Streeruwitz, MarleneVerführungen
80Goytisolo, JuanLandschaften nach der Schlacht
81Singer, Isaac BashevisFeinde, die Geschichte einer Liebe
82Huch, RicardaDer Fall Deruga
83Marías, JavierAlle Seelen
84Ransmayr, ChristophDie Schrecken des Eises und der Finsternis
85Hildesheimer, WolfgangMarbot. Eine Biografie
86Modiano, PatrickEine Jugend
87Spark, MurielMemento Mori
88Feuchtwanger, LionNarrenweisheit
89Roth, PhilipTäuschung
90Maron, MonikaStille Zeile Sechs
91Maxwell, WilliamZeit der Nähe
92Werfel, FranzEine blassblaue Frauenschrift
93Sebald, Winfried G.Austerlitz
94Hilbig, Wolfgang»Ich«
95Fitzgerald, PenelopeDie blaue Blume
96Walser, RobertJakob von Gunten
97Bachmann, IngeborgMalina
98Schmidt, ArnoDas steinerne Herz
99Perutz, LeoDer schwedische Reiter
100Vargas Llosa, MarioLob der Stiefmutter
Einen Kommentar hinterlassen

Russo – Diese gottverdammten Träume

Ich frage mich ab und an, was ist ein gutes Buch? Es soll bestimmte objektive Kriterien geben. Sprache zum Beispiel, also Bildsprache, Wortwahl etc. Das habe ich gelesen, es klingt objektiv, aber ob es das wirklich ist?

Russo - Diese gottverdammten Träume Mit Diese gottverdammten Träume hat Russo zumindest kein schlechtes Buch geschrieben. Russo zeichnet vor dem Hintergrund einer wirtschaftlich absteigenden Kleinstadt, die Verhältnisse und Abhängigkeiten der dort lebenden Menschen. In der ungekürzten Lesung nimmt diese Geschichte rund 22 Stunden ein, als gedruckte Fassung an die 750 Seiten. Ich mag keine dicken Bücher, nicht per se, aber viele Bücher mit zu vielen  Seiten haben Längen. Und auch Diese gottverdammten Träume zieht sich mitunter. Aber ich kann es hier verzeihen.

Wenn es einen Protagonisten gibt, dann ist es wohl Miles Roby. Er ist nicht die einzige wichtige Person, er ist allerdings das Zentrum und die Verbindung zu allen anderen. Miles ist Anfang 40, hat das College abgebrochen ist geschieden und hat eine Tochter. Er ist in keinster Weise ein herausragender Mensch. Durchschnittlich, eher gewöhnlich, so wird er auch von Russo geschrieben. Keine Ecken und Kanten, das gilt für alle Figuren. Dieses Gewöhnliche ist aber auch sehr realistisch, in etwa wie die Beschreibung von Menschen aus Klein Quakenbrück. Der Gegenpart ist die Sprache. Die Menschen, Miles Roby im Besonderen, reden und denken in einer so wohl gefeilten Sprache, dass es Spaß macht es zu lesen bzw. zu hören.

Nur ein Gedanke am Rande: Der deutsche Titel passt und passt auch wieder nicht. Es geht um Träume, vielleicht eher um Wünsche, deren bloßes Vorhandensein das Leben ausbremst. Miles zum Beispiel leitet den Diner, aber dieser gehört ihm nicht. Mrs Whiting ist die Eigentümerin, sie verspricht Miles ihm den Empire Grill zu vermachen. Roby vertraut darauf, irgendwann sein eigener Chef zu sein und dabei verstreichen die Jahre. Die ganze Stadt hofft auf die wirtschaftliche Wiederbelebung ihrer Ortschaft. Egal auf welche Ebene der Autor unseren Blick zieht, wir sehen Wünsche, Träume und Hoffnungen und deren lähmende Wirkung. Es sind gottverdammte Träume.

Der deutsche Titel passt aber auch wieder nicht, weil wahrscheinlich keiner der Figuren sich zu solch impulsiven Sätzen hätte hinreißen lassen.

Der letzte Teil gefiel mir nicht. Es ist kein Spoiler, wenn ich sage, dass es zu einem Schulmassaker kommt – eine größere und bessere Wendung ist hier, wie auch einiges andere, nicht erwähnt. Dabei stört mich nicht so sehr das klischeehafte Leben des Attentäters stattdessen steigt mit jeder Information über ihn beim Leser die Vorstellung wie laut der Knall sein wird, der am Ende zu hören ist. Nein, es ist diese Vorhersehbarkeit und dann das beinahe lapidare Abwickeln des Ganzen. Ich frage mich, ob Russo diesen Teil des Buches von vornherein geplant oder auf Grund des damals aktuellen Columbine-Massakers eingefügt hatte oder ob ihm dieser Teil überhaupt wichtig war. Dabei sehe ich es im Verhältnis. 21 Stunden gewöhnliches Leben einer Kleinstadt und eine Stunde etwas, dass der Katalysator für die verdammten Träume ist. Zweifelsohne brauchte es einen solchen Punkt, diese Wendung halte ich aber für nicht gelungen.

Ich habe das Buch gerne gehört, nicht zuletzt wegen des Sprechers Stefan Kaminski, leider muss ich aber sagen, dass nichts nachklingt. Die Personen, die Stadt, die Verflechtungen nichts bleibt wirklich hängen, weil nichts außergewöhnlich war. Vielleicht werde ich das Buch in fünf Jahren erneut hören oder lesen und mich nicht daran erinnern es schon einmal gelesen zu haben. Ob das gut oder schlecht ist, mag jeder selbst beurteilen.

***

TitelDiese gottverdammten Träume (Empire Falls)
AutorRichard Russo
ÜbersetzerinMonika Köpfer
SprecherStefan Kaminski
Dauer22 Stunden und 25 Minuten
ISBNB07N6DR88B (Audible Exklusiv)
VerlagAudible Studios
Erschienen02/2019

 

Einen Kommentar hinterlassen

Ein virulentes Wochenende

Dieser Blog soll ein Lesetagebuch sein. Irgendwie zumindest. Dazu gehört aber, finde ich, auch etwas Tagebuch, also Zeitgeschehen. 2001 schrieb ich am 11. September:

Heute bat mich A. sein Politikreferat auszuarbeiten. Hab dazu wenig Lust. Als ich nach Hause kam, legte ich mich erst einmal hin. Als ich dann den Fernseher anschaltete, waren überall Nachrichten von dem Flugzeugabstürzen in New York. Schrecklich. Habe mit A. telefoniert, ob ich das Referat wirklich schreiben soll, weil wir in der nächsten Schulstunden eh nur über das Unglück reden werden. A. meint sicher ist sicher.

Moralisch gesehen waren meine Gedankengänge wohl nicht einwandfrei, an dem Tag starben 3.000 Menschen und jetzt erfüllt es mich mit Scharm, so lapidar geschrieben zu haben. Aber viele Tagebucheinträge sind persönlich und lösen Gefühle und Erinnerungen aus. An diesem Tag dachte noch niemand, dass sich die Welt so sehr ändern würde, wie sie es tat.

Aktuell grassiert eine Krankheit. Die Zahl daran Infizierter steigt dieses Wochenende auf über 10.000. Jedem Träger, jedem Erkrankten und jedem Gesunden in Quarantäne  gilt mein Mitgefühl. Es bleibt zu hoffen, dass wir bald einen Impfstoff herstellen und das Personal und das gesamte Gesundheitswesen in China bis dahin durchhält. Anders als andere Katastrophen, die vielleicht mehr Opfer fordern mögen, ist bei Epidemien und Pandemien die Angst vor den unsichtbaren Keimen bzw. Viren und die Angst sich anstecken zu können. Hierzulande ist es ungefährlich, aber die Bilder und Berichte aus China sind schlimm.

Hoffen wir das Beste!

 

Einen Kommentar hinterlassen

Lesewoche 4

Da ich in diesem Post nicht nur von einem Buch schreibe, halte ich es für besser, alles unter Lesewoche... zusammenzufassen.

 

Tolstoj - Kindheit und Jugend

Ich habe mit Tolstoj Kindheit und Jugend begonnen. Das Buch, welches von Gisela Drohla herausgegeben und von Hermann Röhl übersetzt wurde, beinhaltet die Erzählungen Kindheit, Knabenalter und Jünglingsjahre. Die drei Werke sind teils autobiografisch, teils fiktiv und entstanden in der Mitte des 19 Jh. Noch kann ich nicht viel darüber sagen, ich habe mich aber beim Lesen bereits in die Zarenzeit versetzt gefühlt.
Übrigens schreibe ich Lev Tolstoj, es gibt ja einige Transliterationen, nicht nur von diesem Autor, man, zumindest ich, bleibt wohl gerne bei der Schreibweise, der man als erste begegnet ist.

 

TitelKindheit und Jugend
AutorLew N. Tolstoj
ÜbersetzerHermann Röhl
Herausgegeben vonGisela Drohla
Seiten435
ISBN978-3458319030
VerlagInsel
Erschienen05/1976, 12. Auflage

***

 

Aktuell höre ich Diese gottverdammten Träume von Richard Russo. Das Buch ist schon rund 19 Jahre alt. 2001 unter dem Titel Empire Falls erschienen und im Russo - Diese gottverdammten TräumeJahr darauf mit dem Pulitzer Preis bedacht, fand es erst 2016 seinen Weg auf den deutschsprachigen Markt und wurde 2019 exklusiv bei Audible als ungekürztes Hörbuch angeboten. Empfohlen wurde es mir damals direkt von Audible und als ich mich dann selber informierte, habe ich ein Guthaben dafür ausgegeben. Mittlerweile bin ich bei über der Hälfte angelangt und finde es recht gut. Berichte folgen.

 

TitelDiese gottverdammten Träume (Empire Falls)
AutorRichard Russo
ÜbersetzerinMonika Köpfer
SprecherStefan Kaminski
Dauer22 Stunden und 25 Minuten
ISBNB07N6DR88B (Audible Exklusiv)
VerlagAudible Studios
Erschienen02/2019

***

 

Stanišić - HerkunftIch führe keinen Stapel ungelesener Bücher, allerdings notiere ich mir Namen von Autoren und Büchern, die ich lesen möchte oder einfach nur interessant finde. Einer dieser Autoren ist Saša Stanišić. Sein Buch Herkunft wurde mit dem Deutschen Buchpreis 2019 ausgezeichnet. Überdies wurde Stanišić einiges mehr an Auszeichnungen zuteil. Prinzipiell ist für mich ein Preis kein Kriterium, nachdem ich meine Lektüre wähle, allerdings werde ich durch die Berichterstattung aufmerksam. Stanišić ist in Jugoslawien geboren, auf Grund des Krieges in den 90ern traten seine Eltern mit ihm die Flucht nach Deutschland an. Damals gab es für Flüchtlinge keine Bleibeperspektive und nur durch die Aufnahme eines Studiums konnte er in Deutschland bleiben. Für ihn war zu dem Zeitpunkt bereits klar, dass er Schriftsteller werden wolle. Seine Geschichte scheint interessant, sein Stil soll erfrischend zu sein. Ich merke mir das Buch und den Autor vor.

 

TitelHerkunft
AutorSaša Stanišić
Seiten368
ISBN978-3630874739
VerlagLuchterhand
Erschienen03/2019, Originalausgabe

 

***

 

Peter Bieri ist Philosoph und schreibt Bücher. Er veröffentlicht unter dem Pseudonym Pascal Mercier.Mercier - Gewicht der WorteBereits fünf Bücher hat der aus Bern stammende Philologe geschrieben. Ganz frisch erschien Das Gewicht der Worte. Der Protagonist, Simon Leyland, ist Übersetzer. Getrieben von der Gier nach neuen Worten, lernt er immer neue Sprachen. Doch das Schicksal will es, dass er schließlich nicht mehr Übersetzer sein kann, sondern selber Wörter erschaffen muss. Merciers Bücher werden in den Medien als philosophisch unterfüttert bezeichnet. Sein Roman Nachtzug nach Lissabon wurde in 32 Sprachen übersetzt und allein in der deutschsprachigen Ausgabe 2 Millionen Mal verkauft. Beide Bücher von Mercier kommen auf meine Liste.

 

TitelDas Gewicht der Worte
AutorPascal Mercier
Seiten576
ISBN978-3446265691
VerlagHanser
Erschienen01/2020, 2. Auflage

 

***

Einen Kommentar hinterlassen

Ahab und sein Zorn auf Gott und dessen Schöpfung

Im letzten Post mag meine Meinung zu Moby-Dick etwas sehr negativ geklungen haben. Ich stehe zu allen Punkten, aber ich hätte vielleicht auch die positiven Teile nennen sollen. Davon gibt es ein paar, wenn sie allerdings im Schatten der Walanekdoten versteckt sind.

Jeder von uns kennt Kapitän Ahab. Es gibt ihn unter den Kollegen, bei den Vorgesetzten, im Freundeskreis oder in der Familie. Die sozialen Netzwerke sind voll von ihnen. Wo ist der Wal von Twitter geblieben? Er wurde gnadenlos von einer Armee Ahabs gejagt und zu Tran verarbeitet. Ahab ist ein Archetyp. Getrieben von Hass oder Zorn, der dem Wohlbefinden und/oder der körperlichen Unversehrtheit anderer gleichgültig gegenübersteht. A men with a mission.

Ahab zu psychologisieren würde sogar Spaß machen, einige Autoren könnten dutzende Seiten über das Trauma des Seemannes verfassen und es hätte eine Berechtigung. Vielleicht wäre es aber auch nur so langweilig, wie von der Anatomie der Wale zu lesen, ich weiß es nicht. Ahab ist wie er ist, man ahnt wie er zu dem Mann geworden ist. Er verlor sein Bein, sein Stolz wurde verletzt, vielleicht auch seine Ehre. Seine Prothese mag für ihn ein Zeichen einer empfunden Unzulänglichkeit sein. Melville braucht keine expliziten Gründe zu liefern. Moby-Dick ist als Geschichte modern, denn in welcher Zeit gab es mehr verletzbare und gekränkte Personen als heute? Interessieren uns denn wirklich die Gründe warum ein Mensch jagt auf einen Wal macht, warum jemand einen Shitstorm auslöst oder einen anderen denunziert?

Ahab ist wütend, er ist von Rachsucht getrieben, der Steuermann Starbuck mag darin die Gottlosigkeit jenes Kapitäns erkennen, doch gibt es eine weitere Ebene.
Ishmael nennt den Wal meist Leviathan, er beschreibt Wale in allen Facetten und die Ausführungen sind mitunter schön zu lesen, aber wer ist der Leviathan? Es ist eine Kreatur unzähmbarer Wildheit und unkontrollierbarer Stärke. Gott erschuf ihn und nur Gott beherrscht ihn und nur er wird ihn am Ende vernichten. Ahab erdreistet sich also, bewusst oder nicht, sich dem Wal erneut zu stellen und den Leviathan an Gottes statt zu töten? Selbst wenn man keinen Bezug zu Gott und Religion hat, ist die Moral dieses Bildes wohl erkennbar. Ahab sucht erneut sein Schicksal, die Konfrontation, nicht um menschlich zu wachsen, sondern um dieses nagende Gefühl in seinem Inneren zu beseitigen. Dieses Gefühl, vielleicht empfundene Ungerechtigkeit?, wird er niemals los werden, es ist längst ein Teil des Kapitäns. Unerheblich, ob er den Kampf gegen den Leviathan gewinnt oder nicht, Ahab hat sich selbst bereits besiegt. Die Geschichte muss aber ein Ende haben und so siegt die selbstgewählte Nemesis.

***

TitelMoby-Dick
AutorHerman Melville
ÜbersetzerFriedhelm Rathjen
Seiten927
ISBN978-3596901951
VerlagFischer
Erschienen08/2009, 5. Auflage
Einen Kommentar hinterlassen

Gedanken zu Moby-Dick

Heute bin ich um 7. aufgestanden. Yeah! Allerdings auch erst um 3. ins Bett gegangen. Mit einem kleinem Nickerchen zwischendurch bin ich bis jetzt wach und bleibe es wohl auch bis 10. oder so. Habe wieder den Rhythmus der Zivilisierten… und eine Woche Freizeit!

Bevor ich mit Tolstoj anfange, will ich noch meine Gedanken zu Herman Melvilles Moby-Dick niederschreiben. Und ehrlich gesagt, es fällt mir nicht leicht. Wenn man solch einen Klassiker kritisiert (und zwar im negativen Sinne), kommt man sich vor, wie die Höflinge des Kaisers, der sich neue Kleider schneidern lässt. Bei Kritik kann man immer sagen, der Rezensent habe es einfach nicht verstanden oder erkenne nicht den Wert der Leistung. Allerdings sind es meine Eindrücke, die ich beim Lesen hatte.

Worum geht es in Moby-Dick, was ist die Essenz? Selbst wenn man das Buch nicht kennt, würde man wahrscheinlich Ahabs Kampf gegen den Weißen Wal nennen. Es gibt dann noch eine religiöse oder spirituelle Ebene. Doch was bekommt man alle paar Seiten bei der Lektüre zu lesen? Die Geschichte des Walfangs, die Anatomie der Wale und dergleichen! Ich fand es äußerst zäh, eigentlich langweilig und ermüdend. Die Geschichte tritt hinter diesen Fakten zurück. Dabei wurde alles gut recherchiert, wie ich gelesen habe. Nur interessiert es mich überhaupt nicht. Es ist mir schon bewusst, dass der Walfang eine zentrale Rolle einnimmt, aber wenn von den 900 Seiten gefühlt zwei Drittel traniges Beiwerk ist, ist dies eindeutig zuviel für mich.

Die Sprache ist ein anderer Punkt. Melville streut, heute würde man Lokalkolorit sagen, mit ein. Allerdings ist puritanisches Englisch wie es in Nantucket vor 170 Jahren gesprochen wurde, versetzt mit Metaphern und Bibelverweisen, nicht das, was man als leichte Kost verstehen würde. Einige werden gerade darin die Schönheit erkennen, die sich mir nicht erschließen mag, ich kann damit Leben. Moby-Dick wurde mehrfach ins Deutsche übertragen und die jeweiligen Ausgaben sollen sich deutlich unterscheiden, ich beziehe ich mit meiner Meinung auf die Rathjen Übersetzung.

***

TitelMoby-Dick
AutorHerman Melville
ÜbersetzerFriedhelm Rathjen
Seiten927
ISBN978-3596901951
VerlagFischer
Erschienen08/2009, 5. Auflage
Einen Kommentar hinterlassen

Nullpunkt

Habe diese Woche keine einzige Zeile gelesen. Lag wohl an der Nachtschicht. War am Tag zu müde und in der Nacht zu beschäftigt. Nun habe ich ein paar Tage Zeit, um mich wieder an einen vernünftigen Rhythmus zu gewöhnen. Gestern hing ich besonders in den Seilen. Ging morgens um halb 6. ins Bett und bekam um 6. einen Anruf. War innerlich schon angepisst, bis ich merkte, dass es abends war. Die Dunkelheit draußen macht es für mich nicht besser. Heute lag ich bis um 12. im Bett. War immer mal wieder auf. Ist aber ok, Heute noch.

Obwohl ich müde bin, kann ich nicht schlafen. Ich liege dann im Bett und höre die Autos auf der entfernten Bundesstraße oder einige Vögel und manchmal mich selbst, wie ich denke. Dann versuche ich, nicht zu denken, was ein unmögliches Unterfangen ist, versuche abzuschalten und ein Haufen gedankenloser Biomasse zu werden. Manchmal erreiche ich diesen Punkt. Dann ist nichts mehr wichtig, nur noch das Bedürfnis nach Schlaf. Es ist egal, ob dieser Schlaf sechs Stunden oder eine Ewigkeit dauern würde oder ob man sich in Milliarden kleiner Atome auflöst. Hauptsache Ruhe und keine Gedanken. Das völlige Loslassen, körperlich und geistig… und dann maut die Katze vor dem Fenster und will rein. Altes Mistvieh. Jetzt schläft sie neben mir, während ich dies hier tippe. Bin müde, meine Augen brennen und ich versuche jetzt aufzubleiben und heute Abend früh ins Bett zu gehen.

Lesen werde ich wohl nicht schaffen. Bin heute etwas lustlos, vielleicht ein Hörbuch?

Einen Kommentar hinterlassen

Vorsätze für 2020

Es ist Zeit, eine neue Seite aufzuschlagen. Wobei – man schlägt üblicherweise nur eine neue Seite auf, wenn man die vorangegangene beendet hat. Wie sagte einmal ein weiser Mann: Ich habe fertigt, beginne ich also mit der neuen Seite… Ach was, gönne ich mir gleich ein neues Kapitel. 2020 klingt doch so fresh.

Dabei will ich literarisch zurück gehen. Ich möchte in diesem Jahr mehr Klassiker lesen. Ganz besonders freue ich mich auf die russischen Klassiker, daneben sollen es aber auch einige amerikanische und britische Standards sein. Nebenbei schaue ich mich auf dem deutschen Markt der Gegenwart um, erwarte dort aber nicht die Fülle. Das soll kein bashing sein, eher Erfahrung.

Vielleicht zwanzig gute Bücher, das wäre ein gutes Ziel. An dieser Stelle, auf diesem Blog, schreibe ich meine Überlegungen und Gedanken zu den Büchern. Keine reinen Rezensionen, die finde ich langweilig und wahrscheinlich die meisten anderen auch. Naja. Gut. Vielleicht kommt doch die ein oder andere. Ich habe nämlich schon im letzten Jahr Moby-Dick beendet und der Wal gehört ja auch zu den Klassikern.

 

Dann mal los.

Einen Kommentar hinterlassen
%d Bloggern gefällt das: