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Ende Woche zwei

Die zweite Woche Isolation oder extremes Social Distancing endet bald. Nächste Woche muss ich raus, um Getränke und etwas zum Essen einzukaufen. Die Einschränkungen sollen noch bis zum 20. April gehen, werde versuchen, etwas mehr einzukaufen und bis dahin nicht mehr raus zu gehen. Klingt schräg aber ich habe mich fast zu gut an diese Situation gewöhnt. Die Gefühle sind ambivalent. Wenn ich die Bilder aus Italien sehe oder jetzt aus den USA oder eigentlich fast überall her, dann packt mich das Grauen, die Angst vor einer ähnlichen Situation hier, andererseits bin ich zuversichtlich und hoffe, dass wir bald die  Kurve der Neuinfektionen abflachen können.

In den modernsten Ländern der Welt fehlen einfache Dinge wie Mundschutze und nicht ganz so einfache Dinge wie Beatmungsgeräte. Präsident Trump hat daher ein Gesetz aus Zeiten des Korea Krieges wieder aktiviert, den Defense Producton Act. Darin wird die US-Regierung ermächtigt, privaten Unternehmen Weisung zu erteilen, kriegswichtige Produkte zu fertigen. General Motors wurde angewiesen, Beatmungsgeräte herzustellen. Amerika befindet sich nun im Krieg gegen einen unsichtbaren Gegner.

Die Zahlen der Infektionen steigen weltweit. 601.478 sind es derzeit. Das neue Epizentrum sind die USA mit 104.837 Fällen und 1.711 Verstorbenen. Italien hat 86.498 Fälle und 9.134 Verstorbene; Deutschland 53.340/395. Zahlen dominieren mein Denken. Ich hoffe, irgendwann mal einen Knick in der Kurve zu entdecken, aber die Zahlen werden immer größer.

Diejenigen, die draußen arbeiten, Postboten, Entsorger, Kassiererinnen und natürlich Ärzte und Pflegekräfte machen einen hervorragenden Job. Aber gerade die Bilder letzterer machen einen traurig. Bereits am 12.03.2020 berichtete Der Tagesspiegel darüber, dass Patienten mit Symptomen, die 80 Jahre oder älter sind, nicht mehr behandelt werden:

Wenn jemand zwischen 80 und 95 Jahre alt ist und große Atemprobleme hat, führen wir in der Regel die Behandlung nicht fort. Das gleiche gilt, wenn eine mit dem Virus infizierte Person eine Insuffizienz in drei oder mehr lebenswichtigen Organen aufweist. Diese Personen haben statistisch gesehen keine Chancen, das kritische Stadium der Infektion zu überleben. Diese Personen werden bereits als tot angesehen.

Christian Salaroli Narkosearzt aus Bergamo

Quelle: Tagesspiegel vom 12.03.2020, abgerufen am 28.03.2020 11.30 Uhr

 

Ähnliche Vorgaben soll es auch in Staßburg geben. Dies berichten Mitarbeiter des Deutschen Instituts für Katastrophenmedizin sowie die Département-Präsidentin von Straßburg, Brigitte Klinkert, zumindest laut dem Tagesspiegel. Die Universitätsklinik Straßburg bestreitet jedoch eine derartige Triage, vielmehr spielten andere Kriterien neben dem Alter ebenfalls eine Rolle.

Quelle: Tagesspiegel vom 28.03.2020, abgerufen am 28.03.2020 11.35 Uhr

 

Gute Nachrichten sind aber auch wichtig. So haben eine 95 Jahre alte Frau und ein 101-jähriger Mann in Italien die Erkrankung überstanden und sind geheilt.
Ich bin heute zuversichtlicher.

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