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Kategorie: Hörbücher

Kuttner – Mängelexemplar & Kurt

Bin gerade dabei Bücher zu hören, die ich schon immer mal hören wollte. Sarah Kuttner ist schon lange auf meiner Wunschliste. Mängelexemplar, Wachstumsschmerz, 180 Grad Meer und Kurt. Ich habe mich für den aktuellen Roman Kurt entschieden und, nachdem ich diesen abgebrochen habe für ihren Erstling Mängelexemplar. Die Themen beider Bücher sind keine leichte Kost.

 

In Mängelexemplar taucht der Leser in die Gefühlswelt von Karo ein. Sie ist Mitte 20 und steckt in einer Beziehung, mehr aus Gewohnheit, denn aus Liebe. Wir lernen sie kennen, nachdem sie ihren Job verloren hat, als sich ihre Freunde langsam von ihr entfernen und lange nachdem sie als Kind von ihrer Mutter emotional auf Distanz gehalten wurde und ihr Onkel sie sexuell Missbraucht hat. An diesem Punkt bricht sich schiere Angst bahn und die dahinterliegende Depression tritt hervor.

Ich hatte mit Kurt angefangen, aber es fehlte die Motivation weiterzuhören. Schlicht, es fesselte mich nicht. Also dachte ich, ich höre mir den Erstling an. Oder ich höre da zumindest rein. Und ich war in den ersten Minuten drin. Ich hörte Minute nach Minute. Keine Langeweile, mitunter etwas übersättigt aufgrund des Themas. Fünf Stunden Gefühlsleben zu hören, ist nicht einfach. Kuttner schreibt in einer verständlichen, bildhaften Sprache. Sie beschreibt Karo als liebenswerte, quirlige, witzige und starke Person, ihre Gefühlswelt ist für den Leser nachvollziehbar. Auch Menschen ohne Kenntnis über Depression, erhalten ein Bild von dieser Erkrankung. Das Ende ist dabei immer eine Frage des Geschmacks. Soll es ein Happy End geben, soll es realistisch sein, kann ein Happy End nicht auch realistisch sein? Es ist ein Buch, eine Episode eines Lebens und es endet wie es endet.

TitelMängelexemplar
AutorSahra Kuttner
SprecherSahra Kuttner
Dauer5 Stunden und 17 Minuten
ISBN978-3866107625
VerlagArgon Verlag
Erschienen03/2009

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Lena und Kurt ziehen aus Berlin in ein Haus in Oranienburg. Kurt ist der Vater vom kleinen Kurt und will näher bei ihm sein, um die Erziehungszeit mit seiner Ex-Frau zu teilen. Es ist ein langweiliges Pärchen, welches in die langweilige Provinz zieht um langweilige Garten- und Hausarbeiten zu machen. Der Kontrapunkt ist dann der Unfalltod des kleinen Kurt. Bis dahin zieht sich das Buch so sehr, dass ich es erst mal bei Seite legen bzw. auf Pause drücken musste. Ich fand den ersten Teil, rund 1 Stunde und 30 Minuten oder 30%, äußerst unspannend, überhaupt nicht fesselnd. Der zweite Teil beginnt mit einer Zusammenfassung des Bestattungsrechts in Brandenburg. Füllmaterial. Überhaupt wirkt das Buch wie ein riesen großes Paket voll mit zerknülltem Packpapier nur damit ein kleiner Gegenstand nicht beim Transport hin- und hergerüttelt wird. Das Packpapier ist nett, aber eben nur unnötiger wiederverwerteter Ballast. Kuttner schreibt immer noch leicht, die Sprache ist bildhaft, etwas weniger als in Mängelexemplar, aber ansonsten immer noch gut. Die Geschichte ist flach. War sie zwar auch bei Mängelexemplar, da ging es aber nicht um eine Geschichte, sondern um das Innere der Protagonistin. In Kurt mag es auch darum gehen, nämlich die Verarbeitung der Trauer, aber bis es dazu kommt vergeht zu viel Zeit.

TitelKurt
AutorSahra Kuttner
SprecherSahra Kuttner
Dauer5 Stunden und 8 Minuten
ISBN978-3839817131
VerlagArgon Verlag
Erschienen03/2019

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Lesewoche 17/20

Wir befinden uns bereits in der 17. Woche des Jahres und ich habe lange nicht mehr geschrieben, was ich gelesen habe. Ehrlich gesagt, habe ich auch mehr Bücher gehört denn gelesen und mich überwiegend mit Netflix beschäftigt.

 

Planet der Affen hatte ich bereits vor einigen Wochen beendet. Ich bin ein Fan der Filme, der alten so wie der neuen. Die Story gefällt mir. Das Buch Boulle - Planet der Affenvon Pierre Boulle kannte ich aber bis dahinnicht. Die Geschichte ähnelt den Filmen insbesondere dem ersten Teil der 60er Reihe, hat aber auch viel eigenen Charme. So beginnt die Geschichte mit zwei Weltraumfahrern, das Pärchen Phyllis und Jinn, welche eine Flaschenpost finden. Die im All schwebende Flasche enthält das Manuskript von Ulysse Mérou, der darin sein Abenteuer auf einem Planeten von sprechenden Affen und stummen Menschen beschreibt. Das Buch war hervorragend. Vielleicht weil ich die Geschichte eh mag, wer weiß. Detlef Bierstedt spricht das Buch ein. Seine Stimme und Betonung geben den Habitus eines wissenschaftlichen Journalisten, wie es Ulysse ist, gut wieder. Das Ende ist dabei überraschend, wie es die Filme nicht ganz geschafft haben.

TitelPlanet der Affen
AutorPierre Boulle
ÜbersetzerMerle Taeger
SprecherDetlef Bierstedt
Dauer6 Stunden und 4 Minuten (ungekürzt)
ISBNB00NJ21OLK
(Audible Exklusiv)
VerlagAudible Studios
Erschienen09/2014

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Ich halte nicht viel von den großen Crash Propheten. Nicht von der Hand zu weisen ist aber, dass die Börse von der Wirtschaftsentwicklung seit einiger Zeit entkoppelt zu sein scheint. Es werden immer neue Höchststände erklommen und selbst nach einer Covid-19 Talfahrt um die 40% hat sich der DAX anscheinend bei 10.000 Punkten stabilisiert, mal mehr oder weniger. Nach guten Zeiten kommen unweigerlich auch schlechte und nach denen wieder gute Zeiten. Das ist im Leben wie in der Wirtschaft oder an der Börse gleich. Vor vielen Jahren begeisterte mich ein Mann und ich verschlang all seine Bücher: André Kostolany hieß er.

Kostolany wurde 1906 in Budapest der k.u.k. Monarchie geboren. Zeitlebens war er Spekulant und scharfsinniger Beobachter der Wirtschaft und Finanzwelt. Seine Bücher waren für mich auch ein Einblick in die Vergangenheit. Seine Werke sind meist Aneinanderreihungen von Anekdoten und Geschichten eines Börsenspekulanten, die er mit seinen Überlegungen würzt. Zugegeben, je mehr Bücher man von ihm liest, desto öfter wiederholen sich manche Geschichten. 20 Jahre nach seinem Tod erschien eines seiner letzten Bücher als Hörbuch. Leider muss ich sagen, dass ich etwas enttäuscht bin. Es ist weniger fesselnd als ich in Erinnerung habe, was durchaus am Sprecher liegen mag, der es leider nicht schafft, die Geschichten so pfiffig herüberzubringen wie der Meister einst selbst.

TitelDie Kunst, über Geld nachzudenken
AutorAndré Kostolany
SprecherKnud Fehlauer
Dauer8 Stunden 12 Minuten
ISBN9783748400615
VerlagAudio Verlag München
Erschienen05/2019

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Geschichte wiederholt sich nicht, Geschichte reimt sich. Das habe ich mal gehört. Wir leben in aufregenden Zeiten und die Entwicklung der Wirtschaft mag noch einige Kapriolen machen. Nach Kostolany wollte ich etwas mehr über den großen Crash von 1929 lesen. Bei Die Kunst… wurde dieses einschneidende Ereignis einige Male thematisiert. John Kenneth Galbraith Der große Crash 1929 schien mir ein passendes Buch zum Thema. Vorneweg: Derzeit ist es in deutscher Sprache vergriffen und man muss es Second Hand kaufen. Es gibt einige deutsche Ausgaben und die ersten haben einige Übersetzungs- und Rechtschreibfehler. Ich habe ein derartiges Exemplar. Davon abgesehen ist es ein recht ordentliches Buch, wenn man einen Überblick über die damaligen Verhältnisse haben möchte. Galbraith war ein einflussreicher Ökonom, seine Beobachtungen und Analysen sind genau und trotzdem für Laien nicht langweilig zu lesen.

TitelDer große Crash - 1929
AutorJohn Kenneth Galbraith
ÜbersetzerinFr. Oettinger
Seiten205
ISBN3898790541
VerlagFinanzbuch Verlag
Erschienen2005, 1. Auflage

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Das letzte Buch, welches ich hier nennen möchte ist von Dirk Müller mit dem Titel Machtbeben: Die Welt vor der größten Wirtschaftskrise aller Zeiten. Weiter oben habe ich geschrieben, dass ich nicht viel von Crash Propheten halte. Liest man den Titel, könnte man meinen, dass Müller eben so jemand sei. Dabei handelt es sich aber um eine wohldurchdachte Analyse der gegenwärtigen Umstände. Außer dem Virus, der verbreitete sich nach dem Erscheinen. Alle Fakten liegen auf dem Tisch und sind jedem zugänglich. Ob Müllers daraus resultierenden Schlüsse richtig sind, kann man anzweifeln, ich schätze seine Kenntnis allerdings hoch ein.

TitelMachtbeben - Die Welt vor der größten Wirtschaftskrise aller Zeiten
AutorDirk Müller
SprecherDirk Müller
Dauer11 Stunden und 53 Minuten
ISBN978-3837148244
VerlagRandom House Audio
Erschienen12/2019

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Russo – Diese gottverdammten Träume

Ich frage mich ab und an, was ist ein gutes Buch? Es soll bestimmte objektive Kriterien geben. Sprache zum Beispiel, also Bildsprache, Wortwahl etc. Das habe ich gelesen, es klingt objektiv, aber ob es das wirklich ist?

Russo - Diese gottverdammten Träume Mit Diese gottverdammten Träume hat Russo zumindest kein schlechtes Buch geschrieben. Russo zeichnet vor dem Hintergrund einer wirtschaftlich absteigenden Kleinstadt, die Verhältnisse und Abhängigkeiten der dort lebenden Menschen. In der ungekürzten Lesung nimmt diese Geschichte rund 22 Stunden ein, als gedruckte Fassung an die 750 Seiten. Ich mag keine dicken Bücher, nicht per se, aber viele Bücher mit zu vielen  Seiten haben Längen. Und auch Diese gottverdammten Träume zieht sich mitunter. Aber ich kann es hier verzeihen.

Wenn es einen Protagonisten gibt, dann ist es wohl Miles Roby. Er ist nicht die einzige wichtige Person, er ist allerdings das Zentrum und die Verbindung zu allen anderen. Miles ist Anfang 40, hat das College abgebrochen ist geschieden und hat eine Tochter. Er ist in keinster Weise ein herausragender Mensch. Durchschnittlich, eher gewöhnlich, so wird er auch von Russo geschrieben. Keine Ecken und Kanten, das gilt für alle Figuren. Dieses Gewöhnliche ist aber auch sehr realistisch, in etwa wie die Beschreibung von Menschen aus Klein Quakenbrück. Der Gegenpart ist die Sprache. Die Menschen, Miles Roby im Besonderen, reden und denken in einer so wohl gefeilten Sprache, dass es Spaß macht es zu lesen bzw. zu hören.

Nur ein Gedanke am Rande: Der deutsche Titel passt und passt auch wieder nicht. Es geht um Träume, vielleicht eher um Wünsche, deren bloßes Vorhandensein das Leben ausbremst. Miles zum Beispiel leitet den Diner, aber dieser gehört ihm nicht. Mrs Whiting ist die Eigentümerin, sie verspricht Miles ihm den Empire Grill zu vermachen. Roby vertraut darauf, irgendwann sein eigener Chef zu sein und dabei verstreichen die Jahre. Die ganze Stadt hofft auf die wirtschaftliche Wiederbelebung ihrer Ortschaft. Egal auf welche Ebene der Autor unseren Blick zieht, wir sehen Wünsche, Träume und Hoffnungen und deren lähmende Wirkung. Es sind gottverdammte Träume.

Der deutsche Titel passt aber auch wieder nicht, weil wahrscheinlich keiner der Figuren sich zu solch impulsiven Sätzen hätte hinreißen lassen.

Der letzte Teil gefiel mir nicht. Es ist kein Spoiler, wenn ich sage, dass es zu einem Schulmassaker kommt – eine größere und bessere Wendung ist hier, wie auch einiges andere, nicht erwähnt. Dabei stört mich nicht so sehr das klischeehafte Leben des Attentäters stattdessen steigt mit jeder Information über ihn beim Leser die Vorstellung wie laut der Knall sein wird, der am Ende zu hören ist. Nein, es ist diese Vorhersehbarkeit und dann das beinahe lapidare Abwickeln des Ganzen. Ich frage mich, ob Russo diesen Teil des Buches von vornherein geplant oder auf Grund des damals aktuellen Columbine-Massakers eingefügt hatte oder ob ihm dieser Teil überhaupt wichtig war. Dabei sehe ich es im Verhältnis. 21 Stunden gewöhnliches Leben einer Kleinstadt und eine Stunde etwas, dass der Katalysator für die verdammten Träume ist. Zweifelsohne brauchte es einen solchen Punkt, diese Wendung halte ich aber für nicht gelungen.

Ich habe das Buch gerne gehört, nicht zuletzt wegen des Sprechers Stefan Kaminski, leider muss ich aber sagen, dass nichts nachklingt. Die Personen, die Stadt, die Verflechtungen nichts bleibt wirklich hängen, weil nichts außergewöhnlich war. Vielleicht werde ich das Buch in fünf Jahren erneut hören oder lesen und mich nicht daran erinnern es schon einmal gelesen zu haben. Ob das gut oder schlecht ist, mag jeder selbst beurteilen.

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TitelDiese gottverdammten Träume (Empire Falls)
AutorRichard Russo
ÜbersetzerinMonika Köpfer
SprecherStefan Kaminski
Dauer22 Stunden und 25 Minuten
ISBNB07N6DR88B (Audible Exklusiv)
VerlagAudible Studios
Erschienen02/2019

 

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