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Monat: Mai 2020

Kuttner – Mängelexemplar & Kurt

Bin gerade dabei Bücher zu hören, die ich schon immer mal hören wollte. Sarah Kuttner ist schon lange auf meiner Wunschliste. Mängelexemplar, Wachstumsschmerz, 180 Grad Meer und Kurt. Ich habe mich für den aktuellen Roman Kurt entschieden und, nachdem ich diesen abgebrochen habe für ihren Erstling Mängelexemplar. Die Themen beider Bücher sind keine leichte Kost.

 

In Mängelexemplar taucht der Leser in die Gefühlswelt von Karo ein. Sie ist Mitte 20 und steckt in einer Beziehung, mehr aus Gewohnheit, denn aus Liebe. Wir lernen sie kennen, nachdem sie ihren Job verloren hat, als sich ihre Freunde langsam von ihr entfernen und lange nachdem sie als Kind von ihrer Mutter emotional auf Distanz gehalten wurde und ihr Onkel sie sexuell Missbraucht hat. An diesem Punkt bricht sich schiere Angst bahn und die dahinterliegende Depression tritt hervor.

Ich hatte mit Kurt angefangen, aber es fehlte die Motivation weiterzuhören. Schlicht, es fesselte mich nicht. Also dachte ich, ich höre mir den Erstling an. Oder ich höre da zumindest rein. Und ich war in den ersten Minuten drin. Ich hörte Minute nach Minute. Keine Langeweile, mitunter etwas übersättigt aufgrund des Themas. Fünf Stunden Gefühlsleben zu hören, ist nicht einfach. Kuttner schreibt in einer verständlichen, bildhaften Sprache. Sie beschreibt Karo als liebenswerte, quirlige, witzige und starke Person, ihre Gefühlswelt ist für den Leser nachvollziehbar. Auch Menschen ohne Kenntnis über Depression, erhalten ein Bild von dieser Erkrankung. Das Ende ist dabei immer eine Frage des Geschmacks. Soll es ein Happy End geben, soll es realistisch sein, kann ein Happy End nicht auch realistisch sein? Es ist ein Buch, eine Episode eines Lebens und es endet wie es endet.

TitelMängelexemplar
AutorSahra Kuttner
SprecherSahra Kuttner
Dauer5 Stunden und 17 Minuten
ISBN978-3866107625
VerlagArgon Verlag
Erschienen03/2009

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Lena und Kurt ziehen aus Berlin in ein Haus in Oranienburg. Kurt ist der Vater vom kleinen Kurt und will näher bei ihm sein, um die Erziehungszeit mit seiner Ex-Frau zu teilen. Es ist ein langweiliges Pärchen, welches in die langweilige Provinz zieht um langweilige Garten- und Hausarbeiten zu machen. Der Kontrapunkt ist dann der Unfalltod des kleinen Kurt. Bis dahin zieht sich das Buch so sehr, dass ich es erst mal bei Seite legen bzw. auf Pause drücken musste. Ich fand den ersten Teil, rund 1 Stunde und 30 Minuten oder 30%, äußerst unspannend, überhaupt nicht fesselnd. Der zweite Teil beginnt mit einer Zusammenfassung des Bestattungsrechts in Brandenburg. Füllmaterial. Überhaupt wirkt das Buch wie ein riesen großes Paket voll mit zerknülltem Packpapier nur damit ein kleiner Gegenstand nicht beim Transport hin- und hergerüttelt wird. Das Packpapier ist nett, aber eben nur unnötiger wiederverwerteter Ballast. Kuttner schreibt immer noch leicht, die Sprache ist bildhaft, etwas weniger als in Mängelexemplar, aber ansonsten immer noch gut. Die Geschichte ist flach. War sie zwar auch bei Mängelexemplar, da ging es aber nicht um eine Geschichte, sondern um das Innere der Protagonistin. In Kurt mag es auch darum gehen, nämlich die Verarbeitung der Trauer, aber bis es dazu kommt vergeht zu viel Zeit.

TitelKurt
AutorSahra Kuttner
SprecherSahra Kuttner
Dauer5 Stunden und 8 Minuten
ISBN978-3839817131
VerlagArgon Verlag
Erschienen03/2019

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